in der schule hatten sie an diesem morgen an der abschlusszeitung gearbeitet. die frage ?was wrdest du tun, wenn du unsichtbar wrest?? konnte pellegrino leicht beantworten. ohne zu zgern schrieb er, dass er dann alexander mal krftig in den hintern treten wrde. normalerweise wrde niemand das jemals wagen, denn jungen, die gro, krftig und beraus sportlich sind, greift keiner an.
pelle, wie ihn die anderen nannten, war hingegen all das nicht. er war klein, dick und vllig unsportlich. zu allem berfluss war er auch noch italiener, blond und mit leichtem sprachfehler geschlagen. ein einziges mal hatte er allerdings richtig glnzen knnen. seine rolle bei der theaterauffhrung bestand im wesentlichen zwar nur aus einer einzigen textstelle, aber als der satz: ?ich heie blond, james blond!? ertnte, hatte er die lacher auf seiner seite und war nicht wie blich der verlachte.
pellegrino hatte also eine menge probleme. am meisten litt er unter seiner krperflle, die zugegebenermaen nicht vom wind angeblasen wurde, sondern das ergebnis reichlichen zugriffs auf alles ess- und trinkbare war. das grundbel zu beseitigen, wre sein grter wunsch gewesen, was er am morgen auch bei der zweiten frage im bogen vermerkt hatte. die vom arzt verordnete kur hatte jedoch nur wenig erfolg gebracht, und auch die sportlichen aktivitten gingen gegen null. beim fuball wollte niemand den ungelenken jungen in der mannschaft haben, zum radfahren war er viel zu ngstlich, zum schwimmen sowieso.

wie üblich hatte alles mit einer idee angefangen. der geschäftsgedanke „dinge, die die welt nicht braucht“ war ursprünglich einer bierlaune entsprungen, doch ehe erwin sich versah, war er der herr über ein imperium, das sich mit der entwicklung und vermarktung überflüssiger sachen wie z.b. „katzenstreu mit winterduft“ beschäftigte. der „mitzählende flaschenöffner“ war noch ein massenartikel, andere produkte des hauses zeigten sich schon exklusiver, und die warenpalette gipfelte im „frühstückseiersollbruchstellenmarkierer in edelstahl als designer-modell in limitierter auflage“.
wie jeden morgen stand herr immig vor der haustür. sein blick schweifte ins niemandsland, denn eigentlich gab es nicht viel zu sehen. überhaupt gab es nicht viel, das den netten, älteren herrn sonderlich bewegte. seit seiner pensionierung hatte er das gefühl, als hätte man ihm den boden unter den füßen weggezogen. immer hatte er funktioniert wie ein uhrwerk, war an jedem werktag nach dem verzehr eines honigbrötchens nebst einer tasse nicht zu starken kaffees zum amt gegangen und hatte dort zwischen seinen aktenbergen einen ausgefüllten tag verlebt. jeder hatte ihn als gewissenhaften, kompetenten beamten anerkannt, man war freundlich, aber auch nicht zu herzlich miteinander umgegangen, und seine ganze fürsorge hatte den beiden kakteen auf der fensterbank der leicht muffig riechenden amtsstube gegolten.