Tagesarchiv: 12. Januar 2006

der gullideckel

Tulpen-Gardine-2.jpg

 

es war einer dieser dienstage, wie sie eigentlich jede woche sind. nicht besser und nicht schlechter. frau podrowski saß schon am frühen morgen hinter der gardine ihres küchenfensters und schaute hinaus auf den parkplatz.

jeden werktagmorgen kamen die angestellten der bank und stellten ihre autos dort ab. die alte frau kannte eigentlich jeden der leute, ohne dass diese jemals notiz von ihr genommen hätten. sie sahen sie ja nicht hinter dieser gardine, die nach frühling duftete, ihn aber dennoch nicht in die kleine küche ließ, in der es seltsam roch und dunkel war.

frau podrowski hingegen nahm anteil am leben der leute. wenn das fenster gekippt war, konnte sie die gespräche der jungen mädchen belauschen, die aus ihren kleinen, bunten autos sprangen, sich fröhlich begrüßten und dies und das erzählten. auch die kassiererin mittleren alters war frau podrowski vertraut … nebst der krankheitsgeschichte des gatten, denn davon sprach sie zum filialleiter, der stets graue anzüge trug und sich immer nervös über die angegrauten schläfen strich. es schien ihn nicht wirklich zu interessieren, aber die kassierin machte einen resoluten eindruck, und er wagte es wohl nicht, sich aus dem gespräch zu ziehen.

besonders gern mochte frau podrowski jedoch den netten, jungen mann mit dem motorrad. wenn er abstieg, setzte er den helm ab und schüttelte seine langen, dunklen haare. früher hätte es das nicht gegeben, aber die alte dame schmunzelte jedesmal, denn eitle männer waren ihr vertraut.

ihr eugen hatte … aber das war lange her und sie verdrängte den gedanken an ihren früh verstorbenen mann schnell wieder, denn heute war dienstag, und der platz um den gullideckel füllte sich allmählich.

der dienstag war frau podrowskis lieblingstag, denn nur dienstags kam der arzneimittelvertreter, einer der wenigen, die von der stillen beobachterin hinter der gardine wussten. er würde zum fenster rüberschauen, und sie würde leicht die gardine heben, damit er sie sehen konnte. ein winken, ein kurzes lächeln und dann wäre er auch wieder vorbei, der moment, auf den sich frau podrowski freute.

danach würde alles sein wie sonst auch. am abend würden sie alle ihre autos wieder abholen und wegfahren. wie jeden werktag. … nur der gullideckel, der blieb immer, und deshalb betrachtete frau podrowski ihn als eine art vertrauten. manchmal sprach sie sogar mit ihm, denn nur er kannte den parkplatz und die menschen dort so wie sie…

 

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es gibt tage…

da ist mir nach farbe und nach blümchen, img015 lotosblüte2 blog.jpgnach blüten
und überhaupt hätt ich heut gern a bissl harmonie und so.