Tagesarchiv: 2. Februar 2006

der grinkel

der grinkel


magal

unter einem frauenmantelblatt direkt neben dem schlitzahornbusch hatte sich ein junger grinkel gemütlich eingerichtet. eigentlich war das ja kein guter ort für einen grinkel, denn bekanntlich leben diese ja davon, die gedanken der menschen zu erhaschen und sich davon zu ernähren. da bietet es sich natürlich eher an, auf bäumen zu hocken, in dachrinnen auf der lauer zu liegen oder sich auf straßenlaternen und verkehrsschildern zu verstecken, denn die hochtrabenden gedanken der menschen fliegen in lichten höhen und sind eine fette beute für jeden aufmerksamen grinkel.

aber magal, der junge grinkel, hatte eine ganz andere art von gedanken zu seiner leibspeise gemacht. längere zeit hatte er im hause einer alternden dame gelebt und dort im gebälk des treppenhauses seine wohnstatt gefunden. wann immer die hausherrin in erledigung einer sache durch den flur ging, stahl er ihr den gedanken an das, was sie gerade holen wollte, so dass sie an den ausgangspunkt zurückkehren und einen neuen gedanken spinnen musste. mit der zeit verabscheute magal jedoch den faden geschmack und wandte sich einem wahren leckerbissen zu: niedere gedanken!

er hatte nämlich erkannt, dass es nicht nur all die schönen, edlen, sondern eben auch diese niederen gedanken gab … und die in reichem maße. für einen faulen grinkel wie magal war es ein leichtes, sie vom boden aufzusammeln und damit fett und unbeweglich zu werden. es störte ihn auch nicht, dass seine haut von all der schlechtigkeit schon ganz fahl aussah, sich seine augen trübten und er aus allen poren seltsam roch. das schlechte durchzog mit der zeit nicht nur seinen körper, sondern sein gesamtes wesen. so war es denn kein wunder, dass niemand mehr etwas mit ihm zu tun haben wollte …
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