tagebuch einer wienreise: 6. reise ins gestern

montag, 2. august 2004:

palmenhaus, dach, 400.jpg foto: knut wiarda
nachdem ich die innenstadt so ziemlich abgegrast habe, steht heute die eroberung der außenbezirke an. eigens zu diesem behufe habe ich mich ja in den besitz einer fahrkarte für die öffentlichen verkehrsmittel gebracht, und so starte ich gleich nach dem frühstück zu meiner ersten fahrt. zur neunten stunde habe ich mich mit frau a. aus w. vor der u-bahn-station hietzing verabredet. dieser logistischen herausforderung stelle ich mich leicht angespannt, aber die verkehrsverbindung klappt hervorragend, und ich bin überpünktlich zur stelle.


während ich noch das morgendliche getümmel beobachte, erscheint auch frau a., die ich der einfachheit halber im weiteren mal astrid nenne. ja, grüß gott, und wie geht’s dir denn? hattest du einen netten tag gestern? … danke, alles bestens, und ich freu mich schon auf schönbrunn.

palmenhaus 1.jpg foto: knut wiarda

unter derlei geplauder betreten wir den weitläufigen park. das ist doch mal nett angelegt mit den baumreihen entlang der wege. das prunkstück des geländes, dieses schloss schönbrunn, wird gerade neu aufgebrezelt, aber wir gedenken es eh nur von der ferne aus zu betrachten und lenken unsere schritte richtung palmenhaus. zuvor wollen aber noch ein paar fotos gemacht sein, zu denen ich nach anfänglichem, halbherzigem zieren auch herumpose. das palmenhaus finde ich schon von außen sehr imposant, meine vorliebe für jugendstil erlebt eine renaissance. bei dem herrlichen wetter gehen wir natürlich nicht hinein, sondern flanieren herum auf der suche nach fotografierbarem. astrid entdeckt dann auch bald eine zierliche japanische landschaft, die sie erfreulicherweise von mir als motiv ablenkt.

foto: knut wiarda

gloriette1.jpghoch auf dem berge thront die gloriette, ein gemessen am vorgelagerten brunnen luftiges bauwerk, das sich allerliebst im wasser des teiches spiegelt. das touristen-café umkurven wir geschickt, denn es soll schon etwas urtümlicher sein, wenn wir uns nach vollbrachter foto-arbeit zu dem niederlassen, was astrid ein „tratscherl“ nennt, zu dem „es sich noch ausgehn“ muss. der film in ihrer kamera scheint jedoch unendlich viele fotos aufnehmen zu können … bis sich dann herausstellt, dass der film gar nicht gewusst hat, dass es los geht. er schläft noch völlig ungerührt in seiner rolle, und all die spektakulären bilder wurden eigentlich nie gemacht. wir amüsieren uns zwar köstlich darüber, decken jedoch das tüchlein des geheimnisses über die angelegenheit. dergleichen bleibt besser „unter uns nähfräuleins“!

auf dem weg zum ausgang durchkreuzen wir einen teil der anlage, der mir besonders gut gefällt. dort stehen nämlich unmengen verschiedener, teils exotischer bäume, hübsch beschildert und sehr ansehnlich. natürlich geht es sich dann tatsächlich noch für einen eiskaffee beim „wunderer“ aus, bevor astrid sich von mir verabschieden muss.

ich fahre nach diesem erquicklichen spaziergang hinaus zum zentralfriedhof. in der straßenbahn habe ich plötzlich das gefühl, ich sei in köln. diese fahrt entlang der schnurgeraden straße erinnert mich an den weg zur hochschule. auch das weitläufige friedhofsgelände ähnelt den großen, parkähnlichen kölner friedhöfen. allerdings ist der wiener zentralfriedhof noch eine spur großzügiger und prunkvoller angelegt. schon dieser einflugschneisenartige hauptweg auf die kirche zu beeindruckt mich.

kirche, zentralfriedhof.jpges ist fast menschenleer an diesem heißen sommertag, und ich kann mir in aller seelenruhe die grabstätten ansehen. viele prominente, vor allem musiker, liegen hier begraben. aber neben den opulenten gruften, die teils sehr individuell gestaltet sind, interessiere ich mich auch für die gräber einfacher bürger.

schließlich steige ich die treppe zur friedhofskirche hinauf. das jugendstilgebäude ist frisch renoviert und beeindruckend, schon von der größe her. in deutschland sind die friedhofskapellen eher schlicht und klein. ich setze mich eine weile in die absolut leere kirche und betrachte die ungewöhnliche architektur. doch, das gefällt mir ausgesprochen gut.

schließlich treibt mich der hunger in einen kleinen heurigen, wo ich zwischen feigenbaumtöpfen sitzend das obligatorische wiener schnitzel verspeise, was zu hause eher seltener auf meinem speiseplan steht.

zurück im hotel bereite ich mich gemächlich auf den abend vor. ich habe mich mit elfi am schwedenplatz verabredet, denn sie will mir einen einblick ins wiener nachtleben geben.

an diesem warmen sommerabend herrscht im bermudadreieck, dem vergnügungsviertel der wiener, emsige betriebsamkeit. wir laufen eine weile durch die straßen und lassen uns schließlich hinter der ruprechtskirche, der ältesten kirche wiens, in einem der zahlreichen lokale nieder, um unter angeregtem plaudern die ein oder andere weinschorle zu vernichten.
bermuda 430.jpg foto: günter north

später fahren wir ein stück mit der u-bahn hinaus, um am donaukanal entlang zurück zum schwedenplatz zu laufen. auch in den lokalen am wasser sitzen noch viele leute, die bei inzwischen angenehmen temperaturen den abend genießen. irgendwann stoßen wir auf eine höchst interessante ausstellung, die ungemein zu unserer erheiterung beiträgt. besonders die titel der skulpturen sind zu köstlich, irgendwas mit waschmaschinen und salatköpfen bleibt wohl für alle ewigkeiten in meiner erinnerung.
kanal.jpg foto: elfi kaut

mitternacht ist lange überschritten, als wir im parkhaus ankommen, wo elfi eine für meinen geschmack ungewöhnlich hohe gebühr zahlen muss … großstadtgepflogenheiten wohl.

… wird fortgesetzt …

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32 Antworten zu “tagebuch einer wienreise: 6. reise ins gestern

  1. endlich mein großer auftritt! LOL
    die besten bilder wären das geworden, gaaanzz sicher! :-))

    so und ein paar von deinen eingefügten, die werden bei mir nicht angezeigt, bei euch auch nicht?

  2. waaas? welche bilder???

  3. vielleicht ist es ja nur bei mir so. wart einmal, ich werd den cache leeren und die seite neu laden.
    moment!

  4. ich weiß auch nicht was da jetzt los ist. ich seh das wegbild nicht und auch nicht den kanal.

  5. großgütiger! ich bin jetzt über internet-explorer reingegangen. das palmenhaus und der kanal fehlen. :o))
    hold the line … ich werde sehen, was ich machen kann! :-)))

  6. ich holde! 🙂

  7. jetzt müssten alle sechs bilder da sein!

  8. ich seh sie!
    und jetzt ist der absatz unter dem wegbild FETT! wolltest du das so?

  9. nein, natürlich wollte ich das nicht! moment, das speichern dauert immer ewig … und jetzt hab ich unten noch diesen überflüssigen balken. mal sehen, wie der zu entfernen ist. :-)))

  10. so, für mich passt das jetzt! :-)))

  11. … ich bin aus dem stoff, aus dem man helden macht … glaub ich! :-)))
    so müsste es jetzt passen. nur teilen muss die chefin noch. das tut’s nun überhaupt nicht. nie!! :-(((

  12. passt dir auch der text?? :-)))

  13. ja, du bist die heldin! erwähnte ich das nicht schon einmal? 🙂
    und der text passt, danke der nachfrage, und ich hör schon auf zu stänkern LOL
    und
    wir sollten mal ein bassena-usertreffen machen und dann können wir uns live anraunzen, was alles nicht geht und was wir nicht können und was nie funktioniert und das nennt sich dann erfahrungsausstausch, feedback geben, brainstorming oder was weiß ich alles. höhö
    🙂

  14. … selbsterfahrungsgruppe! :-)))
    ich kenne so ein paar leute, die wollten immer schon mal eine selbsterfahrungsgruppe gründen, weil sie sich im haushalt ständig an backöfen und bügeleisen verbrennen! :-)))

  15. so und ich muß dich jetzt verlassen, weil ich mag versuchen blümchen zu fabrizieren und der weg bis dorthin ist noch lang und abends hätt ich gern ergebnisse! (*daumenhalt*)

    ps: bitte, da mach ich nicht mit, bei so haushaltlichen erfahrungsdingern. das möcht ich nicht zum inbegriff meines lebens machen. danke für das verständnis! 😉

  16. aus diesen haushaltsgeschichten halte ich mich auch vorzugsweise raus. :-))

  17. ok…. wenn die haushaltgeschichten rausgelassen werden, bin ich auch dabei…
    darf ich ein wenig über die rückreise raunzen? wär nett…

  18. raunzen mit grund? … macht das denn auch spaß? :-)))

  19. hallo allerseits,

    wirklich seeeehr schade um all die schönen bilder… 😉

    mit der digitalen wäre das nicht passiert – da wären dann höchstens die batterien leer gewesen 🙂

    was macht übrigens der kölner karneval ? bist du etwa bei den funkenmariechen ? :-))

    gibts in wien eigentlich auch karneval, oder fasnacht oder sowas ähnliches ?

  20. n’abend daniel!

    eh schad um die bilder, hätten die besten werden können! 🙂
    und bei uns heißt der karneval fasching. da ich jedoch eine permanente frohsinnverweigererin bin, kann ich dir nicht mehr dazu sagen.
    und als was warst du als kind verkleidet? robin hood? oder warst du ein priat oder ein gespenst oder ein indianer oder der faule willi? 🙂

  21. tja, als kind war ich natürlich immer ein sehr wilder, sehr edler indianer…

    den faulen willi spiele ich ganzjährig.

    bei uns heißt der fasching übrigens „fasend“ und gehts mir gelegentlich tierisch auf den wecker.

    was mir besser gefällt ist der morgenstreich in basel…

    das ist aber erst nächste woche, wenn überall anders schon wieder alles vorbei ist…

    naja, diese schweizer waren ja noch nie die allerschnellsten … 😉

  22. oh, ein winnetou-typ warst du also. gut, daß wir uns nicht begegnet sind, weil bleichgesichter und rothäute, die konnten ja nicht miteinand.
    und das du schweizer bist, das freut mich jetzt aber. ich hab angenommen, du kommst aus deutschlandien. also kann man mit fug und recht behaupten, daß es da international zugeht. 🙂

  23. nö astrid, da hast du was missverstanden – ich bin kein schweizer… ich habe mir nur erlaubt ein wenig über das tempo der schweizer herzuziehen 😉 allerdings kommt meine frau aus zürich…

    ich bin schon aus „deutschlandien“, wohne im dreiländereck zwischen der schweiz, frankreich, deutschland

  24. ah so, da war dann ne falsche schlußfolgerung. aber zumindest hast du einen guten draht dorthin 🙂
    und ich verzupf mich jetzt und sag also gute nacht und schlafts gut!
    bei bei

  25. da ihr jetzt alle gemütlich im bett liegt, kann ich ja noch ein bisschen mit mir über den karneval sinnieren. … als ich klein war, trug ich immer so sinnige kostüme wie rotkäppchen, chinese und eben fliegenpilz. dabei wäre es das größte gewesen, einmal funkemariechen zu sein. ein mädel aus meiner klasse hatte ein echtes funkenkostüm, nicht so ein billigding aus dem kaufhaus. ich habe sie glühend beneidet … aber wahrscheinlich ist es ihr ähnlich ergangen wie dem karlie, und sie ist auch eine looserin geworden … ach, das war aber jetzt unter einer anderen geschichte, wo wir über diese armen seelen sprachen. … na ja, dann geh ich jetzt auch ins bett, bevor ich noch mehr durcheinanderbringe!
    schlaft gut! :-))

  26. hihi mona lisa, unsere mütter hätten sich sicher gut verstanden, mich hat meine auch mal in ein chinesenkostüm gesteckt… und einmal in ein ungarnmädel verwandelt…. das war aber alles bevor das mit dem pichler karlie wichtig wurde 😉
    als ich dann selbst was zu reden hatte, ging ich aber in eine mädchenschule, also war’s auch wurscht
    hab mich auch mal als cowgirl angzogen (da hab ich mich richtig wohl gefühlt).. viel geld gabs bei uns ja nicht und so tat’s eben ein entsprechender hut und das karierte hemd vom papa und eine hose… wobei ich ein pazifistisches cowgirl war.. ich hatte keine waffe 😉
    einmal bin ich auf die schnapsidee gekommen, mir ein kostüm als alphabet zu basteln: schwarzer umhang und aus gelbem naturpapier buchstaben ausgeschnitten und aufgenäht…
    naja, nach einer weile waren die buchstaben ziemlich ramponiert ;-))
    ich glaub dann war’s aus mit dem faschingsgedingse…
    ist mir bis heute eher ein greuel…

    und jetzt geh ich auch endlich schlafen… obwohl ich noch gar nicht müd bin…
    in island war’s ja immer eine stunde früher.. und jetzt hab ich so einen mini-jet-lag ;-)))

    bis morgen dann

    @daniel
    faschingsumzüge sind zumindest im osten österreichs nicht üblich
    hab mal gelesen, dass das mit einem maskierungsverbot auf der straße in monarchiezeiten zusammen hängt.. da hat sich dann keine entsprechende tradition entwickelt…
    nur die tiroler.. die warn ja immer schon anders.. die gehen als schiarchperchten durch die gegend…

  27. Ist ja schon interessant, wie sich solche traditionen wie karneval überhaupt entwickeln bzw., warum sie es nicht tun. diese funkengarden in köln sind ja quasi als gegenbewegung zu den soldatenheeren zu sehen. sie nehmen das militärische auf den arm. … ach ja, die rheinländer haben eben ihre eigene art, mit den dingen umzugehen. :-)))

  28. @ elfi
    hey, auch wieder im lande ? willkommen daheim…

    tja, diese tiroler… die rennen mit ihren tirolerhüten doch – ähnlich wie die bayern mit ihren lederhosen – das ganze jahr über verkleidet in der gegend herum… aber was sind „schiarchperchten“ ??

    stimmt, die fasnachts- oder karnevalstraditionen sind hier am oberrhein ganz anders als z.B. in köln. hab mich grade auf der heimischen homepage schlau gemacht : diese Tradition reicht bis ins Jahr 1499 zurück.

    @ monalisa
    einen rosenmontag in kölle habe ich schon mal mitgemacht… ich war ganz begeistert von den vielen funkenmariechen und ihren vielen „bützchen“ 🙂
    die offene, herzliche mentalität der rheinländer finde ich eh klasse !!

    @ astrid
    na klar war ich ein winnetou-typ – pierre brice wäre vor neid erblasst 😉 wir hätten schon gut „miteinander gekonnt“ denn ich war ein seeehr friedlicher indianer, hatte das kriegsbeil meistens ziemlich tief vergraben…

  29. … ich bin ja auch im herzen rheinländer, obwohl ich dort „nur“ aufgewachsen bin. aber es waren eben die prägenden jahre! :-))
    den zug habe ich natürlich im fernsehen verfolgt. der beste spruch war:
    „habemus pappnas“
    :-))))

  30. mhmm … 😦

    wo bistn du?

  31. @ adrian:
    im sauerland, knapp 100 km östlich von köln. :-))

  32. Ah – das macht doch Lust auf einen Besuch der österreichischen Hauptstadt, seiner Sehenswürdigkeiten und vielleicht dem ein oder anderen Nähfräullein. 😉

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