der weg zum glück

weg, grafix, 600.jpg foto: frank jansen

müde setzte er einen fuß vor den anderen. es war wohl doch weiter als er gedacht hatte und nun kroch schon der abendnebel über den boden. dieser weg musste es sein, nur noch dieses stück, dann wäre er da. dort, wo das glück ist.

„es ist ein langer weg zum glück“, hatte die mutter zur nachbarin gesagt, und dieses war der längste weg, den er kannte. er war auch erst fünf jahre alt, und von der welt kannte er eigentlich nur das dorf und die nahe kleinstadt. am frühen nachmittag hatte er sich auf die suche gemacht, war am spielplatz durch das loch in der umzäunung geklettert, durch das neubaugebiet gelaufen und dann aus dem dorf heraus, um diese straße zwischen den feldern wiederzufinden, wo der vater im spätherbst das auto geparkt hatte, als sie den drachen hatten steigen lassen. das hatte ihm gefallen. ein lustiger tanz im wind, freiheit. da hatte er es gespürt, das was die mutter wohl meinte: glück.

alle sagten: „er ist aber auch ein schwieriges kind!“ was an ihm war schwierig? für ihn waren die dinge einfach. die welt, so wie er sie sah, hatte seine ordnung. es gab geheimnisse, die er ergründen konnte, überraschungen an jeder ecke. nur war er immer alleine mit all den erkenntnissen. niemand vermochte seine sicht der dinge so recht zu teilen. oft wurde er ungeduldig, wenn sie ihn nicht verstanden, wenn es so lange dauerte, bis sie begriffen, was er meinte. die spiele der anderen kinder langweilten ihn schnell. eigentlich würde er ihnen gerne erklären, was er tag für tag aufregendes entdeckte, welche spannenden zusammenhänge er fand. doch sie schauten ihn meist nur mit großen augen an und vertieften sich wieder in ihre faden, kindischen albernheiten. das machte ihn oft zornig und manchmal auch traurig. wenn er dann ihr spiel störte, damit sie ihm doch zuhörten, schrieen sie laut … und den ärger kriegte er dann wieder. sie verstanden ihn nicht, er gehörte nicht zu ihnen.

„ wenn ihrer nächsten sommer in die schule kommt, werden sie es einfacher haben!“, hatte die nachbarin noch am Mittag geseufzt. seit das nachbarskind in der schule war, saß seine mutter jeden tag mit ihm und übte. was war nur so schwierig am lesen? er verstand das nicht. als er vier war, konnte er es schon. eines tages war ihm klar, wie es funktionierte. beim essen sagte er dann zur mutter: „der müllers herbert ist auch tot.“ „wer?“, fragte sie. „ich hab es in der zeitung gelesen“, antwortete er. die mutter war fassungslos, und am abend sprach sie mit dem vater darüber. sie bemerkten nicht, dass er zuhörte, und worte wie „hochbegabt“ konnte er sich nicht erklären. vieles verstand er nicht, auch nicht, was sie mit „glück“ meinten. aber es erschien ihm erstrebenswert, denn die erwachsenen machten ein solches aufheben darum. es musste irgendwo in der ferne liegen. man musste es wohl suchen. das zumindest hatte er begriffen, denn sie sagten doch: „das glück fällt einem nicht in den schoß. man muss auch was dafür tun!“

… und deshalb hatte er sich auf den weg gemacht. er wollte es sich erarbeiten, aber es war hart und er war schon sehr müde. würde er es überhaupt schaffen, es zu finden? nur noch diesen weg entlang. es sollte doch ein langer weg sein, der weg zum glück. nur nicht aufgeben … aber sein stoffhase fiel ihm aus der hand, er bückte sich danach, strauchelte und blieb einfach am boden sitzen … und von ganz weit hinten sah er ein kleines licht.

vielleicht musste er warten, bis er größer war. mit fünf war er wohl doch noch zu klein für das große glück …

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7 Antworten zu “der weg zum glück

  1. eine wunderschöne geschichte…

  2. ich habe beim schreiben speziell an zwei kleine jungs gedacht, die ich kenne. es ist ein härteres los als man glaubt, so anders als andere zu sein. einfach ist das nicht.

  3. ich möchte mich an dieser stelle noch mal bei fränkie bedanken, der mir das bild zur verfügung gestellt hat. weitere zauberhafte geschichtenbilder finden sich auf seiner homepage:
    http://www.ouwmaygawd.de/

  4. danke für die URL… bitte, wo trifft man diesen wahnsinnskünstler sonst noch im netz…
    die bilder sind fantastisch… alle…

  5. in der fc nennt er sich giftzwerg grafix:
    http://www.fotocommunity.de/pc/account/myprofile/549897

  6. in deutschland is intelligenz allerdings ein fluch und kein glück. bei uns daham sagt man überhaupt: das denken überlassen wir den rössern, die haben einen grösseren schädel dafür!

  7. diesen spruch haben wir in deutschland allerdings auch.

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