Monatsarchiv: April 2006

geschichten aus dem wahren leben: die sache mit den spitzbuben

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die geschichte trug sich zu, als ich noch ein kleines mädchen war. ich muss etwa fünf jahre alt gewesen sein, als mein vater mich an einem montagmorgen zum kindergarten brachte. da meine eltern beide berufstätig waren, kam ich immer schon kurz vor halb acht und war meist die erste. der kindergarten wurde von nonnen geleitet, und die obernonne lief uns an diesem morgen völlig aufgelöst entgegen, denn es war am wochenende eingebrochen worden, was sie soeben entdeckt hatte.

zum weiteren verständnis der geschichte ist es wichtig zu wissen, dass mein vater mir gerade ein paar tage zuvor ein männchen geschenkt hatte, etwa 10 cm groß, ganz aus blauem plastikzeug, das man lustig verbiegen konnte. es war wohl ein werbegeschenk von der aral-tankstelle.

nun, die nonne wandte sich also um hilfe an meinen vater und dieser fragte sogleich, was denn fehle. die nonne erklärte, dass alles durchwühlt sei, und dass die einbrecher wohl über die lange veranda das spielzeug weggeschleppt und zum teil im garten verstreut hätten.

und dann kam er, der folgenschwere ausspruch! mein vater schüttelte nämlich den kopf und sagte: „die spitzbuben!!!“ dieses wort hatte die kleine monika nie zuvor gehört und es erregte ihr interesse. spitzbuben?? was das wohl sein mochte? … und da niemand so recht zeit zu haben schien, mir das zu erklären, machte ich mir halt meinen eigenen reim darauf. mir fiel der blaue plastikkerl ein. der hatte einen spitzen hut. aha, dachte ich, so sehen die bösen buben also aus, die all das schöne spielzeug weggetragen haben. in scharen sind sie gekommen, denn so klein wie sie sind, müssen es viele gewesen sein, sonst hätten sie ja nicht alles schleppen können.

… und ich sah sie vor meinem geistigen auge bei nacht mit all dem spielzeug über die veranda und durch den spielgarten laufen. nicht nur blaue männchen, auch rote, gelbe, grüne …

es hat jahre gedauert, bis mir die wirkliche bedeutung des wortes klar wurde!

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[photopress:bruchbude__bassena.jpg,full,pp_empty] foto: servusfranz

wie lange war das alles jetzt her? er konnte sich gar nicht recht erinnern. aber als er seinen fuß darauf setzte, knarrte die diele noch genau wie damals.

er war durch das fenster des wirtschaftsraumes eingestiegen, denn er konnte es kaum abwarten und war nicht erst bis ins dorf gefahren, um den schlüssel abzuholen. er hätte sich längst um das alte haus kümmern müssen. war es verdrängung oder hatte er wirklich keine zeit gehabt? wozu das alles überhaupt? dass hier nichts mehr zu retten war, hätte er sich denken können. warum hatte er das haus nicht so in erinnerung behalten, wie es zu seiner kindheit gewesen war? an die warmen sommer erinnerte er sich gut, auch an die beiden ziegen, die die großmutter in dem kleinen stall hinterm haus hielt. eigentlich war er meistens in den ferien hier gewesen. seine mutter hatte immer leicht gekränkelt und zog von klinik zu sanatorium, während der vater durch die weltgeschichte reiste und karriere machte. Weiterlesen

Frohe Ostern … und Guet Füer!

ostersemmel.jpgErstmals urkundlich erwähnt wurde dieser alte Brauch 1658.
Seither strömen die Scharen am Ostersamstag um 14 Uhr am Sauerländer Dom zusammen, um das traditionelle Semmelsegnen zu erleben. Die „Hörner“ des Kümmelbrotes dürfen erst nach dem Segnen abgebissen werden, worauf die Kinder stets sehnsüchtig warten. Sie erinnern übrigens an die Schwanzflossen eines Fisches, Zeichen der Christen in früheren Zeiten.
Nach dem Semmelsegnen geht es in den Berg zum Schlagen der Osterkreuze, die später auf dem Marktpklatz vermessen werden. Attendorn ist eine alte Hansestadt mit ursprünglich vier Stadttoren, weswegen auch vier Kreuze geschlagen werden … eine Art Wettkampf.
Am Sonntag werden die Kreuze auf den Osterköppen aufgestellt und am Abend abgebrannt.
„Guet Füer – Gutes Feuer!“ heißt auch der Attendorner Ostergruß.
:-))

waschtag

[photopress:waschtag_2.jpg,full,pp_empty]foto: servusfranz
als günter zu hause auszog, hatte er den entschluss gefasst, auch wäschemäßig völlig auf eigenen füßen zu stehen. zwar war es recht praktisch, den heimischen wäsche-service zu nutzen, aber das ließ er sich doch nicht nachsagen!

„junge“ , hatte seine mutter immer geseufzt, „was soll das nur werden, wenn du mal allein für dich sorgen musst?“ ganz von der hand zu weisen waren ihre bedenken nicht, denn er legte seine füße nun mal lieber hoch, statt darauf zu stehen.

nun, für diesen karfreitagmorgen hatte er sich einen hausfrauentag … oder wohl eher hausmannstag … vorgenommen. allerdings bedurfte die aktion der gezielten vorplanung, weshalb er sich zunächst mit einem kaffee bewaffnet auf den in der frühlingssonne anheimelnd wirkenden balkon begab und dort im korbgeflecht versank.

im hintergrund lief leise musik, und er fühlte sich entspannt an diesem morgen. entspannter, als es nach dem gestrigen abend zu erwarten gewesen wäre.

während er noch darüber nachdachte, was über das sortieren von wäsche, die verschiedenen arten von waschpulver und die zugabe von weichspüler jemals in seinem leben an sein ohr gedrungen war, läutete das telefon. in dieser phase der planung konnte er eigentlich keine ablenkung brauchen … oder vielleicht doch? jedenfalls griff er nach dem hörer und befand sich alsbald in einer angeregten unterhaltung, die jedoch keinesfalls in irgendeinem zusammenhang mit dem zu bearbeitenden wäscheberg stand, sondern in einer verabredung endete. … und schließlich war morgen auch noch ein tag, und überhaupt wollte er sowieso am ostersonntag zu hause vorbeischauen, schon wegen des festtagsbratens … und vielleicht könnte man bei der gelegenheit auch eben die wäsche …

der rabengott

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eines der schönsten wörter, die ich kenne ist „nimmermehr“. es steckt so viel poesie darin und auch so viel traurigkeit. für mich hört es sich so endgültig an, fast hoffnungslos, aber eben doch nicht ganz.
ist der wahrheitsgehalt der alten weisheit „was hänschen nicht lernt, lernt hans nimmermehr“ auch anzuzweifeln, so fällt es schon schwerer, sich dem charme solcher formulierungen wie im grimmschen märchen „brüderchen und schwesterchen“ zu entziehen: „… da hub die königin in der nacht an zu reden und sprach: „was macht mein kind? was macht mein reh? … nun komm ich noch diesmal und dann nimmermehr.“
seinen wohl berühmtesten auftritt aber hat das wort „nimmermehr“ wohl in edgar allan poes gedicht, wo der rabe sein vielzitiertes „nevermore“ spricht.

das obige bild gehört jedoch zur geschichte „der rabengott“:
„als hagen von tronje auf dem schlachtfeld erwacht, ist er blind. hilflos irrt der gefürchtete recke durch die finsternis – bis er eine flüsternde stimme vernimmt. das mädchen nimmermehr verspricht ihm heilung und hilfe, wenn er ihr sein geheimnis verrät. … hagen erzählt, wie er als junge vom siebenschläfer, einem mächtigen wesen, das den rhein beherrscht, verflucht worden ist, jeweils bei vollmond dem rhein gold zu opfern, und zwar stets ein wenig mehr als im monat zuvor. sollte er dies versäumen, so tötet der siebenschläfer zunächst alle menschen, die hagen etwas bedeuten oder sich in seiner nähe aufhalten. an den fluch glaubte hagen erst, als sämtliche menschen der burg, auf welcher er seine ausbildung erhalten sollte, auf mysteriöse weise verschwanden. das einzige, was zurückblieb, waren wasserlachen. … durch diesen pakt mit dem siebenschläfer ist hagen gezwungen, menschen wegen ihres goldes zu töten.“

„nimmermehr“ ist ein magisches wort. ich mag es einfach. … und ich bin mit dieser vorliebe nicht allein.