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[photopress:bruchbude__bassena.jpg,full,pp_empty] foto: servusfranz

wie lange war das alles jetzt her? er konnte sich gar nicht recht erinnern. aber als er seinen fuß darauf setzte, knarrte die diele noch genau wie damals.

er war durch das fenster des wirtschaftsraumes eingestiegen, denn er konnte es kaum abwarten und war nicht erst bis ins dorf gefahren, um den schlüssel abzuholen. er hätte sich längst um das alte haus kümmern müssen. war es verdrängung oder hatte er wirklich keine zeit gehabt? wozu das alles überhaupt? dass hier nichts mehr zu retten war, hätte er sich denken können. warum hatte er das haus nicht so in erinnerung behalten, wie es zu seiner kindheit gewesen war? an die warmen sommer erinnerte er sich gut, auch an die beiden ziegen, die die großmutter in dem kleinen stall hinterm haus hielt. eigentlich war er meistens in den ferien hier gewesen. seine mutter hatte immer leicht gekränkelt und zog von klinik zu sanatorium, während der vater durch die weltgeschichte reiste und karriere machte.

wohin also, wenn alle anderen internatsschüler heim zu ihren familien reisten? aber er war gerne zu den großeltern gefahren. den großvater hatte er als mürrischen mann in erinnerung, der sicher an seiner eigenen verbitterung gestorben war. doch die großmutter war eine bescheidene, geduldige frau voller güte gewesen, die stets wärme verbreitete, wann immer sie einen raum betrat. vor einiger zeit war auch sie gestorben, und das kleine anwesen war teil der erbmasse.

sein anwalt hatte ihm geraten, die immobilie abzustoßen. wie hässlich das klang, und von einer immobilie konnte auch keine rede sein. es war nur ein kleines, bescheidenes häuschen mit ineinander übergehenden zimmern. der schuppen war eingefallen, der garten nicht mehr zu erkennen. aber in all dem schutt und müll war noch der geist der großmutter spürbar. unwillkürlich blickte er zu der stelle an der wand, wo stets ihre schürze gehangen hatte. ein loch zeigte, wo der haken aus dem putz gerissen worden war.

er blickte sich um. schlimm sah es aus. zur beerdigung hatte er nicht kommen können, weshalb die haushaltsauflösung jemand aus dem dorf übernommen hatte. was mochte hier inzwischen geschehen sein? war es ein liebesnest für die dorfjugend, ein spielplatz für die kinder aus der nachbarschaft?

er seufzte und ging entschlossen durch die tür zur küche. es war, wie es war, und er konnte es nicht ändern. …

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5 Antworten zu “zurück

  1. und mittlerweile ist es sogar des daches verlustig geworden
    und am speicher wächst das erste grün …

    😉 franz

  2. welch eine schande! auf die frau putzig kann man sich aber auch nicht verlassen! :-))
    am wochenende fahre ich wieder in die eifel. an den dorfrändern gibt es viele solcher verlassenen häuschen.

  3. deine geschichten haben alleweil einen traurigen touch 😦

  4. hm, ja, mag sein! 🙂
    deshalb wäre es um so schöner, wenn du wieder mal etwas lustiges aus deinem aufregenden alltag erzählen würdest! :-)))

  5. da kann ich der monika nur zustimmen… *auchwiederastridlesen will*…
    dann hätten wir einen schönen kontrast hier…
    mir gefällt die geschichte… sie erinnert mich an meinen besuch im burgenland letzten sommer, in dem dorf, in dem ich in meiner frühen kindheit ein paar sommer verbracht habe… bei meiner großmutter 😉
    das paradies der kindheit: nicht wieder zu erkennen… hätte nicht hin fahren sollen
    es liegt ja vielleicht auch daran, dass damals sogar kleine hügel wie große berge schienen… und jetzt sieht man es wie es ist… als kleine hügel 😉
    allerdings wird es vermutlich dort auch nicht mehr den größten schrecken jener tage geben: die fliegenfänger! diese gelben klebestreifen, an denen die fliegen ihr leben ausgezappelt haben…
    jetzt hat man sicher feinere mittel der vernichtung 😉

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