Tagesarchiv: 15. Mai 2006

wenn einer eine reise tut … # 3

nach und nach fielen ihm allerlei anekdoten aus früheren zeiten ein. was wohl aus der flotten kerstin geworden war? irgendwer hatte ihm mal erzählt, dass sie ihre apotheke aufgegeben hatte und jetzt eine tauchschule besaß. so vom sport besessen war die zu schulzeiten nie gewesen, eher das partygirl schlechthin. lange beine, blonde haare, schon ein hingucker. sie fuhr damals einen weißen vw-käfer, den sie aus unerfindlichen gründen ben nannte. als sie zum ersten mal alleine in urlaub fahren wollte, war der vater so nervös, dass er beim packen fragte: „kind, hast du denn hinten schon was drin?!“ … und sie antwortete nur ganz gelassen: „ja, papi, den motor!!“

reise-5.jpger musste über sich selbst lachen, als ihm beim anblick des leitungsmasts der eiffelturm einfiel. paris! wie war das damals noch?
es muss an einem samstag im abisommer gewesen sein oder im jahr danach. so genau erinnerte er sich nicht mehr. jedenfalls hatte man mit ein paar freunden im freibad gelegen. es war zwei uhr nachmittags, und es gab so recht keine pläne fürs wochenende.
in die gähnende langeweile hinein meinte jemand: „ in frankreich ist nationalfeiertag!“ … „gut, lass uns nach paris fahren!“ … „du spinnst doch!“ … langer rede, kurzer sinn: um 3 uhr war man auf der autobahn. kerstins käfer schaffte es in fünf stunden, und paris war rund um die uhr ein genuss. kalle kannte ein paar marokkaner in der stadt, bei denen man noch ein paar stunden schlafen konnte, zu viert im großen bett, die beiden mädels schön in der mitte, und der rest auf dem boden verteilt. am späten sonntagnachmittag war man auch schon wieder daheim gewesen.

wie unkompliziert damals doch alles war! wenn er zu hause mit solchen einfällen ankäme, würde es nur wieder endlose diskussionen geben. das leben war nicht einfacher geworden für ihn.

frankreich! es schien ihm weiter weg zu sein als der mond, dabei war er früher so oft dort gewesen. durch die partnerschaft des örtlichen jugendheims mit der ot in boulogne-sur-mer waren die ersten verbindungen entstanden. beim austausch zu ostern und pfingsten war man sich durchaus näher gekommen, pflegte auch die freundschaften über jahre. aber irgendwann waren die kontakte schließlich doch eingeschlafen. er hatte seit vielen jahren keinen der französischen freunde mehr gesehen, konnte sich kaum an die namen erinnern, wohl jedoch an die orte und das erlebte.

reise-6.jpgdie in seiner erinnerung spektakulärste aktion war die motorradtour, die schon anreisemäßig ein horror gewesen war. das große gepäck war mit dem auto unterwegs, vier motorräder folgten. nun hätte man ja denken können, dass die fahrt flott und unbeschwert hätte vorangehen können. aber weit gefehlt! schon die uneinigkeit, wann und wo man denn am besten tankt, kostete viel zeit. zu allem überfluss setzte regen ein, eine maschine bekam einen kolbenfresser … ein wunder, dass man den campingplatz überhaupt noch bis zum abend erreichte. fünf zelte waren dann doch schnell aufgebaut, und man konnte sich auf den weg in die stadt machen, wo man mit den franzosen ein rauschendes wiedersehensfest feierte.

ohne erneut einsetzenden sturm und regen hätte der ausklang des abends hoch auf den klippen wohl noch erquicklich werden können, aber als die ersten zelte flogen, andere bereits unter wasser standen und man sich ins trockene waschhaus rettete, gab es nur noch eine party auf dem gesamten platz. da saßen schätzungsweise acht unentwegte, teils mit regenschirmen bewaffnet, in einem 3-mann-zelt, sprachen lebhaft dem alkohol zu … und mittendrin sang gregor „siegreich werden wir frankreich schlagen …“

peinlich, aber die deutschkenntnisse der franzosen waren gott sei dank eher rudimentär gewesen.

… fortsetzung folgt …

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