wenn einer eine reise tut … # 9

reise-17.jpgbeim letzten zwischenaufenthalt fiel sein blick für einen moment auf den umriss einer frau, die auf der anderen seite des gebäudes über den bahnsteig eilte. ein seltsam vertrautes gefühl stellte sich ein. warum musste er gerade jetzt an marion denken? er hatte sie zwar als ausgesprochen guten kumpel in erinnerung, aber mehr war nie zwischen ihnen gewesen. vielleicht hätte sie es gewollt. damals hatte er nicht darüber nachgedacht, und jetzt war es wohl zu spät.

marion und er trafen sich zu oberstufenzeiten häufig, oft nach dem abendlichen training am sportplatz oder auch bei ihm zu hause, um musik zu hören und zu reden. er war sich jetzt nicht mehr sicher, ob das alles so bedeutungslos war, wie es ihm damals erschienen war. frauen entwickeln zum erreichen ihre ziele zuweilen seltsame methoden, darüber war er sich im laufe der jahre klar geworden.

nach dem umsteigen blieb nur noch eine stunde fahrzeit und er war erstaunt, wie rasch doch die zeit vergangen war. er rollte die zeitschrift zusammen und steckte sie in die seitentasche, denn es gefiel ihm zunehmend, sich in seinen gedanken zurück in die vergangenheit treiben zu lassen. noch war er sich nicht sicher, wen er auf der feier am abend wiedertreffen würde, ob es nach all den jahren überhaupt noch gemeinsamkeiten gab. als er wegen der zusage mit holger, dem organisator der veranstaltung, telefonierte, hatte er jedoch gleich das gefühl, dass die wellenlänge immer noch stimmte, und das erfüllte ihn umso mehr mit vorfreude.

reise,-fernsehturm.jpgdie sonne ging allmählich unter, und aus dem augenwinkel sah er einen sendeturm, was ihn wieder an seine ersten berufsjahre erinnerte. vor allem dachte er auch nach langer zeit wieder an carola. natürlich hatte er vor ihr allerlei freundinnen gehabt, sehr früh sogar schon, denn er kam recht gut beim anderen geschlecht an. aber wenn es so etwas wie die „große liebe“ geben sollte, dann hieß sie bei ihm wohl carola.

gleich am ersten arbeitstag war sie ihm aufgefallen, wohl wegen dieser mischung aus zurückhaltung und in sich ruhender selbstsicherheit. es dauerte keine woche und sie waren unzertrennlich. eigentlich verkörperte sie in sich, was er bei all ihren vorgängerinnen nur in fragmenten hatte finden konnte. die jahre mit ihr waren ein einziger rausch, und nie wieder würde auch nur irgendetwas sein wie mit ihr.

war sie letztlich zu perfekt? war es daran gescheitert? er hatte sich diese frage oft gestellt, jedenfalls anfangs. dann hatte er es einfach verdrängt und sich schließlich auf die neue beziehung konzentriert.

… fortsetzung folgt …

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s