Monatsarchiv: September 2006

neues vom grinkel: spare in der zeit, dann hast du in der not

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der sommer war nicht nach magals geschmack gewesen. zu viele schöne tage, viel zu fröhliche menschen, die sich ihrer guten laune hingegeben und wenig sinn für niederträchtige gedanken gehabt hatten. wie soll sich ein ausgewachsener grinkel davon ernähren, dass man sich nettigkeiten zuflüstert und unter tändeln und scherzen die zeit verrinnen lässt!?

doch die tage wurden nun merklich kürzer, morgendlicher nebel und im nieselregen dämmernde abende verbreiteten eine leicht düstere stimmung, die die laune unseres grinkels deutlich hob. so kroch er wieder häufiger unter seiner frauenmantelblattbehausung hervor und ließ sich die zahlreicher werdenden gedanklichen leckerbissen wohl munden. an einem spätseptemberfreitag hatte er das glück, einen ausgewachsenen streit zwischen einem ehepaar mittleren alters zu erleben. die vorspeise war ihm zwar durch die lappen gegangen, denn als er sich lässig durch das buschwerk richtung parkplatz hangelte, war die beule schon im wagen. aber die debatte darüber, wer schlussendlich die schuld an der panne trüge, konnte als opulentes hauptgericht abgebucht werden. schon gesättigt von der fülle an wirklich miesen gedanken, wollte sich magal unter verzicht auf die nachspeise schon zurückziehen, als er in einem nahen haselnussstrauch ein seltsames geschöpf wahrnahm. dieses zog magals aufmerksamkeit auf sich, weil es nach dem verzehr einer nuss eine weitere nicht etwa verspeiste, sondern sich mit behenden bewegungen davonmachte, um die beute im boden zu vergraben.

das verwunderte den grinkel sehr, und schlau wie er war, schloss er daraus sogleich, dass dieses tun der vorratshaltung dienen müsse. nie zuvor war er auf den gedanken gekommen, dass man nahrung horten könnte. jetzt war er geradezu besessen von diesem einfall. doch wie könnte man seine nahrung, die schlechten gedanken, konservieren? er zog sich an seinen lieblingsort bei den mülltonnen zurück, um über das problem nachzudenken.

nun trug es sich zu, dass soeben die frau aus dem erdgeschoss einen stapel zeitungen zur papiertonne schleppte. hinter ihr her kam mit wehenden hosenträgern ihr gatte und schimpfte wie ein rohrspatz, was magal nicht mal sonderlich interessierte, da er gerade übersattigt war. er schnappte jedoch eine höchst interessante neuigkeit auf. offenbar befanden sich in diesen zeitungen allerlei niederträchtigkeiten. doch wie waren sie dort hineingekommen … und vor allem, wie kriegte man sie wieder dort heraus? jedenfalls schien ihm diese zeitungsgeschichte rein vom vorrratstechnischen her betrachtet eine nähere überlegung wert zu sein.

doch dann überschlugen sich die ereignisse nachgerade, als die gute frau einen sogenannten fernseher ins gespräch brachte, in dem man all den schändlichen kram in bild und ton serviert bekäme. ein fernseher? was war das? die alte dame, bei der magal zeitweise gelebt hatte, war nicht im besitz eines solchen wunderdings gewesen. aber es musste so etwas sein wie der schrank mit der weißen tür, in dem sie stets ihre speisen aufbewahrte, und aus dem immer so ein kühler luftzug entwichen war. ein fernseher musste eine art aufbewahrungsort für miese gedanken sein. ob es darin auch kühl sein musste? ob sich miese gedanken im kalten besser halten würden?

magal wusste es nicht, war auch zu erschöpft, um weiter darüber nachzudenken.

er beschloss, sich erst mal unter sein frauenmantelblatt zurückzuziehen … aber gleich morgen wollte er sich einen fernseher besorgen …

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