Tagesarchiv: 5. Februar 2007

3. männergespräche

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eduardos beisetzung hätte eigentlich im engsten familienkreis stattfinden sollen. aber nachdem man die unglückliche antonella ins bezirksgefängnis geschafft hatte, blieb nur noch mauro leonetti übrig, denn beide brüder waren kinderlos geblieben … zumindest offiziell. mauros plötzlicher eintritt in die fremdenlegion war seinerzeit nämlich auch eine art flucht vor eventuell eingetretenen „schwierigkeiten“ mit einer gewissen marcella gewesen. aber das lag lange zurück, und er hatte nie wieder etwas von ihr gehört.

mauro bat also seine engsten freunde nach der einäscherung in sein lokal, um seines bruders in würde zu gedenken.

am vortag hatte mauro das elterliche hause aufgesucht, um die auflösung desselben in die wege zu leiten. er ging durch die lange nicht mehr betretenen räume, schaute hier und dort in schränke und laden, und nahm schließlich am fenster platz, um hinaus auf das meer zu blicken und nachzudenken. nach einer weile fiel ihm das bild seiner eltern ins auge, das auf einem niedrigen schrank vor sich hin staubte. er stand auf, nahm es zur hand, und da ihm der billige, abgestoßene rahmen zutiefst missfiel, schickte er sich an, das bild herauszunehmen. die eingerosteten nägel schienen mit der papprückwand verwachsen zu sein, doch mit einigem kraftaufwand gelang es mauro, sie zu lösen. zu seiner großen überraschung flatterte ihm ein vergilbtes schreiben entgegen, das hinter dem bild verborgen war. noch erstaunter war er allerdings, als er das dokument las. sein spanisch war zwar nicht perfekt, aber er konnte dem inhalt dennoch entnehmen, dass es sich um die geburtsurkunde seines bruders handelte … ausgestellt in mendoza, argentinien. das an sich war nicht verwunderlich, denn eduardo war ja zu der zeit geboren, als die leonettis sich in südamerika aufgehalten hatten; damals, als der vater geglaubt hatte, sich dort als weinbauer eine neue existenz schaffen zu können.

nein, verwundert war mauro wegen der namen, die er auf dem dokument las. … und genau darüber sprach er bei der totensuppe mit carlo, seinem engsten vertrauten, den er zu recherchen nach argentinien zu schicken gedachte. …

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