6. alter cognac und dicke zigarren

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voll angespannter erwartung betrat mauro leonetti an diesem donnerstagnachmittag die kanzlei seines freundes avvocato carlo parigi. signora bertolli, die mitarbeiterin und gute seele des hauses, führte den gast in das büro des hausherrn. dieser saß tief vergraben in einem schweren ledersessel vor der mächtigen bücherwand. dem inhalt der langen regalreihen aus kostbarem edelholz schenkte zwar niemand beachtung, doch die schiere anwesenheit des geballten wissens in schriftform verlieh dem raum eine gewisse wichtigkeit und gediegenheit.

das licht der sich zum sinken anschickenden sonne wurde gedämpft durch weinrote vorhänge, die schwer von der hohen stuckdecke fielen. der avvocato schien ein wenig eingenickt zu sein, denn erst des besuchers räuspern ließ parigi aus seinem sitz hochschrecken, und die asche seiner mächtigen zigarre rieselte auf den teppich.
signora bertolli hob missbilligend die augenbraue, sagte aber weiter nichts und entfernte sich lautlos.

und während die beiden alten männer sich dem genuss eines sehr alten cognacs hingaben, berichtete carlo parigi, was er in argentinien über die ereignisse um die geburt des ermordeten eduardo leonetti in erfahrung hatte bringen können. noch lagen teile der geheimnisvollen geschichte im dunkel, doch fügte sich nach und nach ein stück an das andere.

nach dem bisherigen stand der ermittlungen spielte das kloster der unbeschuhten karmelitinnen in alta gracia eine tragende rolle, denn nach ihrer auswanderung war dies wohl die erste anlaufstelle von ernesto und angela leonetti gewesen. der ursprüngliche plan, sich als weinbauer in der gegend von mendoza niederzulassen scheiterte nämlich an den nicht vorhandenen sprachkenntnissen, und so war das ehepaar froh, sich in besagtem ordenshaus in der nähe von cordoba als köchin bzw. gärtner verdingen zu können. so verbrachten die leonettis einige jahre unter dem dach der segensreichen schwestern, bis ein ereignis von erheblicher tragweite die idylle störte. …

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Eine Antwort zu “6. alter cognac und dicke zigarren

  1. auszüge aus der diskussion zu diesem bild:

    „in argentinien (grad in buenos aires) wurden aber grad um die 20er jahre alle italienischen dialekte gesprochen. :))
    jeder zweite argentinier trägt einen italienischen familiennamen (‚como se mueren los tanos!’… sagten die alteingesessenen bezüglichen der vielen italienischen todesanzeigen in den zeitungen:))
    mauro war demnach das kind einer unbeschuhten karmeliterin mit ihrem padre confesor, das (statt nach ordensbrauch erdrosselt und im klostergarten vergraben zu werden), dem tumben gärtner-ehepaar als adoptiveltern übergeben wurde!“

    „diese bertolli is mir aber auch sehr verdächtig: ihr gehört eine der grössten olivenöl-pantschereien der eu!“

    „hm, sollte man signora bertolli also einen auftritt gönnen? das ist eine gute idee. bildmäßig kann ich da auf jeden fall was richten …“

    „die bertolli versucht schon seit 30 jahren vergeblich, ihren analphabetischen chef mit gepantschtem olivenöl zu vergiften. er hat sie nämlich vor 50 jahren entehrt! mit einer zigarre a la bill clinton! sowas verzeiht eine frau nicht. niemals!
    einzig der hundertjährige cognac rettet den winkeladvokaten parigi vor einem leberabszess und/oder gallentropfsteinhöhlen in seinem aufgedunsenem unterleib.“

    „hab ja eine menge folgen verpasst – schaue mir gerade die wiederholungen an. also lass mich mal zusammenfassen: als weinbauer in argentinien braucht man also spanische sprachkenntnisse, aber als köchin und gärtner nicht. na, da möchte ich nicht sehen was ernesto da so zusammengegärtnert hat, das die gute antonella dann ob ihrer spanischsprachunkenntnisse mithilfe der argentinischen kochrezepte zusammengebraut hat. das kommt mir mehr als spanisch vor – ja eben argentinisch!!“

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