1. der mantel der madonna

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„onkel eduardo ist schon ein toller hecht!“, raunte massimo seinem bruder giovanni zu. nicht laut natürlich, denn er hatte mächtigen respekt vor tante antonella. die war soeben wutentbrannt und wild gestikulierend in das während der nachsaison nur von wenigen touristen besuchte strandrestaurant gerauscht.

was war geschehen? nun, eduardo, dessen wildromantische tage antonella der vergangenheit zugehörig gewähnt hatte, schien eine art verspäteten frühling zu erleben, seit die rassige loredana die wohnung im haus gegenüber bezogen hatte. seltsame veränderungen gingen seitdem im hause der leonettis vor. jeden tag ließ sich der gatte ein frisches hemd herauslegen, verlangte nach gebügelten hosen und geputzten schuhen … und neuerdings roch er so aufdringlich nach rasierwasser und pomade.

zunächst hatte antonella der sache keine große bedeutung beigemessen, aber zunehmend ärgerte sie sich über eduardo, der keine gelegenheit ausließ, der schönen nachbarin gefällig zu sein, ihr nachgerade auflauerte, um sich zum hanswurst zu machen. so jedenfalls sah es antonella. Weiterlesen

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neues vom grinkel: spare in der zeit, dann hast du in der not

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der sommer war nicht nach magals geschmack gewesen. zu viele schöne tage, viel zu fröhliche menschen, die sich ihrer guten laune hingegeben und wenig sinn für niederträchtige gedanken gehabt hatten. wie soll sich ein ausgewachsener grinkel davon ernähren, dass man sich nettigkeiten zuflüstert und unter tändeln und scherzen die zeit verrinnen lässt!?

doch die tage wurden nun merklich kürzer, morgendlicher nebel und im nieselregen dämmernde abende verbreiteten eine leicht düstere stimmung, die die laune unseres grinkels deutlich hob. so kroch er wieder häufiger unter seiner frauenmantelblattbehausung hervor und ließ sich die zahlreicher werdenden gedanklichen leckerbissen wohl munden. an einem spätseptemberfreitag hatte er das glück, einen ausgewachsenen streit zwischen einem ehepaar mittleren alters zu erleben. die vorspeise war ihm zwar durch die lappen gegangen, denn als er sich lässig durch das buschwerk richtung parkplatz hangelte, war die beule schon im wagen. aber die debatte darüber, wer schlussendlich die schuld an der panne trüge, konnte als opulentes hauptgericht abgebucht werden. schon gesättigt von der fülle an wirklich miesen gedanken, wollte sich magal unter verzicht auf die nachspeise schon zurückziehen, als er in einem nahen haselnussstrauch ein seltsames geschöpf wahrnahm. dieses zog magals aufmerksamkeit auf sich, weil es nach dem verzehr einer nuss eine weitere nicht etwa verspeiste, sondern sich mit behenden bewegungen davonmachte, um die beute im boden zu vergraben.

das verwunderte den grinkel sehr, und schlau wie er war, schloss er daraus sogleich, dass dieses tun der vorratshaltung dienen müsse. nie zuvor war er auf den gedanken gekommen, dass man nahrung horten könnte. jetzt war er geradezu besessen von diesem einfall. doch wie könnte man seine nahrung, die schlechten gedanken, konservieren? er zog sich an seinen lieblingsort bei den mülltonnen zurück, um über das problem nachzudenken.

nun trug es sich zu, dass soeben die frau aus dem erdgeschoss einen stapel zeitungen zur papiertonne schleppte. hinter ihr her kam mit wehenden hosenträgern ihr gatte und schimpfte wie ein rohrspatz, was magal nicht mal sonderlich interessierte, da er gerade übersattigt war. er schnappte jedoch eine höchst interessante neuigkeit auf. offenbar befanden sich in diesen zeitungen allerlei niederträchtigkeiten. doch wie waren sie dort hineingekommen … und vor allem, wie kriegte man sie wieder dort heraus? jedenfalls schien ihm diese zeitungsgeschichte rein vom vorrratstechnischen her betrachtet eine nähere überlegung wert zu sein.

doch dann überschlugen sich die ereignisse nachgerade, als die gute frau einen sogenannten fernseher ins gespräch brachte, in dem man all den schändlichen kram in bild und ton serviert bekäme. ein fernseher? was war das? die alte dame, bei der magal zeitweise gelebt hatte, war nicht im besitz eines solchen wunderdings gewesen. aber es musste so etwas sein wie der schrank mit der weißen tür, in dem sie stets ihre speisen aufbewahrte, und aus dem immer so ein kühler luftzug entwichen war. ein fernseher musste eine art aufbewahrungsort für miese gedanken sein. ob es darin auch kühl sein musste? ob sich miese gedanken im kalten besser halten würden?

magal wusste es nicht, war auch zu erschöpft, um weiter darüber nachzudenken.

er beschloss, sich erst mal unter sein frauenmantelblatt zurückzuziehen … aber gleich morgen wollte er sich einen fernseher besorgen …

der letzte tango

[photopress:letzter_tango.jpg,full,centered] foto: servusfranz

dr. ansgar pilgenröder lebte zurückgezogen in einer vorstädtischen reihenhaussiedlung. morgens verließ er gegen sieben uhr das haus, um mit der straßenbahn ins stadtzentrum zu fahren. seit vielen jahren war er leiter der einzelzahler-abteilung einer versicherung. ausgesucht hatte er sich das nicht, aber es hatte sich so ergeben … wie sich alles in seinem leben einfach so ergeben hatte. er war es gewohnt dem schicksal seinen lauf zu lassen und dachte nicht weiter darüber nach. er funktionierte, wie das zahnrad einer uhr in seinem gefüge.

doch tief in seinem innersten hatte er sich einen fluchtpunkt bewahrt, eine seite, die niemand von ihm kannte. etwas, das nur ihm allein gehörte. wohl hatte sich auch das einfach so ergeben, aber er hatte es verteidigt, die stellung sogar ausgebaut, und in dieser nacht trat er zu seinem letzten kampf an.

gleich nach büroschluss war er nach hause geeilt und dann mit seinem alten fahrrad zu dem verlassenen gebäude der bleistiftfabrik gefahren. schon als kind hatte er dort gespielt, und als vor jahren der betrieb aufgelöst, die hauptgebäude abgerissen und nur noch ein paar nebenhallen stehen geblieben waren, um die sich niemand scherte, hatte er das gelände zu seinem zufluchtsort erklärt. in einem der lagerräume hatte er ein altes spind gefunden, in dem er eines tages eine im sperrmüll gefundene schaufensterpuppe deponierte. wann immer es ihn drängte … und das war meist in den mondhellen nächten, in denen er keinen schlaf fand … schlich er sich durch das verrottete tor in die halle, nahm seine geliebte aus ihrem verlies und tanzte mit ihr im fahlen licht, das durch die blinden scheiben drang. niemals sprach er auch nur ein wort mit ihr, aber er umfasste ihren schlanken körper, zog sie an sich, so dass sie unter seinen berührungen ächzte, und führte sie sicher über den tanzboden. voller leidenschaft stierte ansgar tief in ihre leeren augen und ließ die unerfüllten sehnsüchte, die unausgesprochenen hoffnungen, eben all sein lebensleid an ihrem kühlen, glatten kompositkörper abprallen.

diese nacht nun würde ihre letzte sein, denn am folgenden tag sollte der abriss der letzten gebäude ihn seines traumlandes endgültig berauben. vor dem letzten tanz hatte er die stille geliebte bräutlich geschmückt. der weiße schleier, den er liebevoll um sie schlang, war sein erstes und einziges geschenk an sie, ein abschiedsgeschenk.

der letzte tanz würde ein tango sein, das hatte er sich schon am morgen beim verzehr seiner leberwurstbrote ausgemalt. nun war es so weit. das nachtlicht erfüllte die verstaubte halle. ansgar drückte vorsichtig sein mondkind an sich, beugte sie leicht zurück, und mit der musik im kopf setzte er lautlos den ersten schritt …

die zertanzten schuhe

 

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foto: sylvia mancini 

nur einen ganz kleinen moment wollte sie luft schnappen, wirklich nicht lange. der empfang zog sich, und obwohl sie schon mit fast allen herren getanzt hatte, fühlte sie sich innerlich leer. es lag nicht an den musikern, die sich redlich mühten. der champagner war kühl und prickelte in ihrer kehle. ein perfekter abend eigentlich. dennoch sehnte sie sich nach einem moment des glücks und war froh, dem schwer im raum hängenden dunst von gehobener spießigkeit zu entfliehen.

im schutz der dunkelheit stahl sie sich in richtung hinterhof, hörte durch das offene fenster stimmen und das klappern von geschirr. lachen drang an ihr ohr. sie drückte sich näher an die hauswand und zog eine schachtel zigaretten unter dem strumpfband hervor. ihr lebensgefährte duldete nicht, dass sie rauchte, doch jetzt war sie allein. gierig zog sie an dem Glimmstängel, lehnte sich an die kühle wand, und es tat ihr gut.

während sie den küchengeräuschen lauschte, entdeckte sie im fahlen schein der außenlampe eine zeichnung auf dem boden. sie erschrak, denn im ersten moment erinnerte es sie an die aufgezeichneten konturen eines mordopfers. doch bei näherer betrachtung schien ein glatzköpfiger mann mit langer nase zu ihren füßen zu liegen. woher kannte sie ihn nur? die figur kam ihr seltsam vertraut vor. war sie wohl aus einem kinderbuch entflohen? und wer hatte sie ihr geschickt?

einer spontanen eingebung folgend stieg sie aus den schuhen, und mit der andeutung einer verbeugung fragte sie: „darf ich bitten?“ weil sie keine antwort erhielt, begann sie, den mann auf dem pflaster einfach in ihre drehungen einzubeziehen. sie fühlte sich ganz leicht dabei, und der saum ihres kleides flatterte im nachtwind. immer wilder wurden ihre sprünge und sie lachte.

plötzlich fühlte sie sich am arm gepackt und unwirsch auf den boden der tatsachen zurück gezogen.

„was soll das? ich suche dich schon überall! komm jetzt, wir fahren!“ ,herrschte sie eine ihr nur zu bekannte stimme an. das eben erst gefundene, kleine glück zerplatzte wie eine seifenblase. ohne widerspruch folgte sie. nur die schuhe blieben zurück … und der stumme tänzer.

wenn einer eine reise tut … # 10

reise-19.jpgfast erschien es ihm wie eine ohrfeige, als er das logo auf dem gegenzug bemerkte. das war es wohl … er war eigentlich immer ein „kleiner feigling“ gewesen. wie ein roter faden zog es sich durch sein leben. immer hatte er die entscheidungen dem zufall überlassen oder abgewartet, dass sich die dinge mit der zeit von selbst erledigten.

als carola damals den job in johannesburg annahm, hätte er mit ihr gehen können. aber wieder einmal fehlte es ihm an der nötigen entschlusskraft, und wenig später lernte er nicole, seine jetzige lebensgefährtin, kennen, die ihn drängte, in der firma ihres vaters einzusteigen. der job in der werbeabteilung hatte ihn interessiert, machte ihm zunächst auch spaß, aber inzwischen war alles zur routine geworden, und er fühlte sich oft gelangweilt und weit von dem entfernt, was er eigentlich gerne machen würde.

nein, er war sich jetzt sicher! er würde dieses eine mal nicht andere die entscheidungen treffen lassen. diesen vertrag würde er nicht unterschreiben! er hätte es gestern deutlicher sagen sollen: eine teilhaberschaft in dieser firma kam für ihn nicht in frage … und die zwar unausgesprochene, aber im raum schwebende aufforderung, doch endlich die Vverbindung mit nicole zu legalisieren, schon gar nicht. er ließ sich weder zu einer heirat nötigen, noch ließ er sich fesseln an diese firma, die ihm nicht am herzen lag, sondern mehr und mehr zum hemmschuh wurde.

bisher hatte er noch mit niemandem darüber gesprochen, auch mit nicole nicht. aber gleich bei der heimkunft würde er es ihr sagen: er würde das angebot seines freundes carsten annehmen und das buch schreiben, das er immer hatte schreiben wollen.

der zug lief in den zielbahnhof ein, und er sprang entschlossen auf.
er fühlte sich plötzlich unendlich stark und frei.

ENDE

NACHWORT

eine reise geht zu ende. die eben noch mit gleichem ziel versammelten zerstreuen sich, und übrig bleibt der held der geschichte, eine namenlose phantasiegestalt. dieser reisende durfte während seiner fahrt meine erinnerungen an eine erfüllte jugendzeit haben, an geschichten denken, die allesamt so geschehen sind. lediglich die namen der handelnden personen wurden geändert, unwesentliche details leicht verschoben. sein charakter und seine lebensumstände sind ihm von mir auf den leib geschrieben worden. aber auch dabei habe ich an bestimmte menschen gedacht … menschen, die mir etwas bedeuten.

wenn einer eine reise tut … # 9

reise-17.jpgbeim letzten zwischenaufenthalt fiel sein blick für einen moment auf den umriss einer frau, die auf der anderen seite des gebäudes über den bahnsteig eilte. ein seltsam vertrautes gefühl stellte sich ein. warum musste er gerade jetzt an marion denken? er hatte sie zwar als ausgesprochen guten kumpel in erinnerung, aber mehr war nie zwischen ihnen gewesen. vielleicht hätte sie es gewollt. damals hatte er nicht darüber nachgedacht, und jetzt war es wohl zu spät.

marion und er trafen sich zu oberstufenzeiten häufig, oft nach dem abendlichen training am sportplatz oder auch bei ihm zu hause, um musik zu hören und zu reden. er war sich jetzt nicht mehr sicher, ob das alles so bedeutungslos war, wie es ihm damals erschienen war. frauen entwickeln zum erreichen ihre ziele zuweilen seltsame methoden, darüber war er sich im laufe der jahre klar geworden.

nach dem umsteigen blieb nur noch eine stunde fahrzeit und er war erstaunt, wie rasch doch die zeit vergangen war. er rollte die zeitschrift zusammen und steckte sie in die seitentasche, denn es gefiel ihm zunehmend, sich in seinen gedanken zurück in die vergangenheit treiben zu lassen. noch war er sich nicht sicher, wen er auf der feier am abend wiedertreffen würde, ob es nach all den jahren überhaupt noch gemeinsamkeiten gab. als er wegen der zusage mit holger, dem organisator der veranstaltung, telefonierte, hatte er jedoch gleich das gefühl, dass die wellenlänge immer noch stimmte, und das erfüllte ihn umso mehr mit vorfreude.

reise,-fernsehturm.jpgdie sonne ging allmählich unter, und aus dem augenwinkel sah er einen sendeturm, was ihn wieder an seine ersten berufsjahre erinnerte. vor allem dachte er auch nach langer zeit wieder an carola. natürlich hatte er vor ihr allerlei freundinnen gehabt, sehr früh sogar schon, denn er kam recht gut beim anderen geschlecht an. aber wenn es so etwas wie die „große liebe“ geben sollte, dann hieß sie bei ihm wohl carola.

gleich am ersten arbeitstag war sie ihm aufgefallen, wohl wegen dieser mischung aus zurückhaltung und in sich ruhender selbstsicherheit. es dauerte keine woche und sie waren unzertrennlich. eigentlich verkörperte sie in sich, was er bei all ihren vorgängerinnen nur in fragmenten hatte finden konnte. die jahre mit ihr waren ein einziger rausch, und nie wieder würde auch nur irgendetwas sein wie mit ihr.

war sie letztlich zu perfekt? war es daran gescheitert? er hatte sich diese frage oft gestellt, jedenfalls anfangs. dann hatte er es einfach verdrängt und sich schließlich auf die neue beziehung konzentriert.

… fortsetzung folgt …

wenn einer eine reise tut … # 8

reise-15.jpgauf dem bahnsteig herrschte geschäftiges treiben. er griff nach seiner tasche und wartete, bis die übrigen reisenden ausgestiegen waren. der anschlusszug kam erst in einer halben stunde, daher hatte er keine eile.

in der bahnhofshalle versuchte er seine sekretärin anzurufen, aber offenbar nutzte sie das vorgezogene wochenende, um ihre grippe auszukurieren. die gute machte stets großes aufhebens davon, wenn sie krank war. aber ihre angst vor bazillen war kein vergleich zu dem aufstand, den die mutter seiner klassenkameradin sieglinde damals gemacht hatte, was ihm soeben wieder einfiel.

jede gemeinschaft muss wohl den ein oder anderen sonderfall verkraften. in schulklassen ist das, einem seltsamen gesetz folgend, oft der klassenprimus. die männliche ausgabe dieser spezies war zu seiner schulzeit ein durchaus brauchbarer typ namens karl-heinz gewesen, die weibliche variante jedoch eine klassische sieglinde. sie machte stets einen verhuschten eindruck, was wohl auch auf die glasbausteinartigen brillengläser, die kränkliche, gelbliche gesichtsfarbe und die ungelenken bewegungen zurückzuführen war. eigentlich war sie ein hilfsbereites ding, das ohne widerworte seine hefte zum abschreiben der hausaufgaben herausrückte. sie hätte andere auch gerne bei der vorbereitung auf klassenarbeiten unterstützt, aber sie traute sich nicht, weil ihre eltern ihr eingeschärft hatten, dass ihre eigenen zukunftsaussichten dadurch geschmälert würden.

trotz der guten noten hätte wohl niemand mit sieglinde tauschen mögen, schon gar nicht, wenn die ärmste krank war und für tage auf ihrem zimmer darben musste. die mutter war nämlich, was bazillen betraf, derart panisch, dass sie, um jeden kontakt mit der kranken zu vermeiden, das essen in einer plastiktüte von außen an die klinke hängte und das öffnen der zimmertür zum hereinholen desselben erst erlaubte, wenn alle flurtüren geschlossen waren.

im nachträglichen bedauern dieses schicksals befindlich begab er sich auf den bahnsteig und erwartete das einlaufen des ice.

reise,-Heimfahrt.jpger empfand es als angenehm, in den tiefen polstern zu versinken und die ruhe im fast leeren abteil zu genießen, auch wenn es nur eine kurze fahrt werden würde, denn er musste ein letztes mal umsteigen. ein einziger weiterer fahrgast hatte es sich am fenster gemütlich gemacht und ging seiner beschäftigung nach. das reisen mit der bahn hatte durchaus seine beschaulichen seiten, was seiner neigung zu allem schönen und genussvollen sehr entgegen kam.

sein leben hatte sich über die jahre leider weniger geruhsam entwickelt, als ihm das lieb war, denn im grunde war er kein karrieretyp, und es behagte ihm gar nicht, dass man versuchte ihn in diese rolle zu drängen. noch hatte er jedoch die fäden seines schicksals in der hand, im gegensatz zu dem bedauernswerten karl-georg, der vor noch nicht ganz zwei jahren schlagzeilen gemacht hatte, als er erstochen auf irgendeinem parkplatz aufgefunden worden war. er sah das bild an einem montagmorgen in der boulevard-zeitung, die aufgeschlagen auf dem schreibtisch seines kollegen lag, und hätte den ermordeten fast nicht erkannt. karl-georg hatte zu schulzeiten dem mathematisch-naturwissenschaftlichen zweig angehört, mit dem man nicht viel zu tun hatte. dennoch war es ein schock, dass sich dieser ehemals so unscheinbare bursche auf irgendwelche dubiosen geldgeschäfte eingelassen hatte, um seine marode firma zu retten.

er selbst hatte nie existenzängste kennen lernen müssen, denn er stammte aus einem recht wohlhabenden elternhaus, und auch sein beruflicher werdegang hatte immer unter einem günstigen stern gestanden.

… fortsetzung folgt …